Auffangen nach einer BDSM Session

Das Auffangen ist ein wichtiges Thema, nach dem häufig gefragt wird.

Eine SM / BDSM Session kann für den unterwürfigen/masochistischen Partner nicht nur körperlich sondern auch seelisch belastend sein. Nach einer Session, die mitunter lange dauern kann, fällt er oft in ein Loch. Der Körper ist überflutet mit Adrenalin und Endorphinen, die plötzlich nachlassen. Auch die Erregungskurve fällt ab.


Viele Bottoms brauchen nun das sogenannte Auffangen. Dies fällt je nach Beziehung der beiden unterschiedlich aus. In jedem Fall sollte sich der Partner aufgehoben und beschützt fühlen. Er ist meist nicht sofort fähig, sich anzuziehen und in die Welt hinaus zu gehen. Das Erlebte muss sacken, verarbeitet werden. Der erste Schritt dazu ist, nicht alleine zu sein, und zu spüren, dass jemand da ist, dem er auch nach dessen Orgasmus noch wichtig ist.


In einer festen Beziehung ist es dem Unterwürfigen oft ein großes Bedürfnis, zu spüren, dass er trotzdem geliebt wird, obwohl es sich vielleicht vorher anders angefühlt hat. Eine Erniedrigung, Schläge, Fesseln, Schmerz und Angst erscheinen plötzlich in einem anderen Licht. Es entsteht die Verknüpfung, dass dies aus Liebe und Lust geschah. Das Auffangen kann ein wundervolles gemeinsames Erlebnis sein.


Aber auch in einer Spielbeziehung ist es wichtig. Der Partner ist meist nur für das Sexuelle da, umso notwendiger ist das Auffangen. Es entsteht eine Nähe, die nichts an der Stellung der Partner ändert, sondern den Top in die Lage versetzt, abermals Stärke zu zeigen. Er ist nun der Beschützer, der über die Sub wacht. Vertrauen ist wichtig bei SM / BDSM, das wird durch das Auffangen bestätigt.


Nach dem Einsatz eines Safewords ist das Auffangen besonders wichtig. Es ist eine Situation entstanden, die schwierig war und einen Abbruch notwendig gemacht hat. Danach sind Gespräche und Nähe dringend notwendig, um klar zu machen, dass es keine wirklich bedrohliche Situation war, und der dominante Teil alles unter Kontrolle hat. Wieder entsteht Vertrauen, welches für eine Weiterentwicklung notwendig ist.

Es gibt Spielarten, die das Auffangen bewusst weglassen. Hier ist gewünscht, dass sich der Partner benutzt fühlt und einsam zurückgelassen wird. Das ist gefährlich, und der dominante Partner muss sehr vorsichtig damit umgehen. Es ist schwer zu erkennen, ob der devote Partner eine solche Behandlung gut übersteht. Der Dom hat große Verantwortung und sollte sich dieser bewusst sein.


Wie kann aufgefangen werden? Es gibt wunderschöne romantische Beschreibungen vom Auffangen: „Er bindet sie los, wickelt sie in warme Laken, versorgt Ihre Wunden und lässt sie beschützt auf seinem Schoß einschlafen“. Eine schöne Beschreibung für alle, die es romantisch mögen. Aber ein stundenlanges Ritual ist nicht unbedingt notwendig. Körpernähe und Wärme sind zwei wichtige Faktoren. Auch wenn man vorher in Gesellschaft war, ist es wichtig, den Partner aus der Öffentlichkeit heraus in eine geschützte Umgebung zu bringen. Er sollte sich geborgen fühlen. Wünschenswert ist es, dass der/die Dom mehrfach nachfragt, ob alles in Ordnung ist; er sollte prüfen und beobachten, ob es dem Partner gut geht. Dieser kann es nach einer Extremsituation eventuell selbst nicht einschätzen. Es kann angenehm sein, dem anderen einen Tee zu kochen, oder ihn mit etwas Leckerem zu versorgen. Für einen kurzen Moment kann der Dom durchblicken lassen, dass er ein weiches und warmes Herz hat.


Erst wenn ganz sicher ist, dass er/sie zurechtkommt, kann sich der Partner verabschieden. Aber gerade durch den Abschied oder das Verlassen der Wohnung kann es zum Zusammenbruch des Bottom kommen. Meine persönliche Empfehlung: Seid noch eine Zeit lang erreichbar, soweit dies möglich ist.


Wieder einmal hat der dominante / sadistische Part dieses Spiels große Verantwortung, der er sich bewusst sein sollte. Er treibt einen anderen Menschen an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Es ist großes Vertrauen notwendig, damit dies zugelassen wird. Das Vertrauen sollten wir nicht enttäuschen, sondern stärken. Der starke Teil beschützt - hier kann er dies gut zeigen und beweisen, dass das Vertrauen in ihn gerechtfertigt ist.


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